Im Interview: Arch.
DI Anton Mayerhofer
Erhaltenswerte Kulturbauten
Herr Architekt Mayerhofer, das Thema dieses Interviews dreht sich schwerpunktmäßig um Kulturbauten im Burgenland. Sie verfügen hier über jede Menge Erfahrung und Know-how. Woher kommt Ihre Affinität zu diesem Themenkreis?
Mayerhofer: Kulturbauten sind Ausdruck der Identität einer Region und tragen zur Geschichte und dem Bild der Umgebung bei. Wir realisieren einen Großteil unserer Aufträge im Burgenland. Hier ist auch mein Lebensmittelpunkt. Ich empfinde als Architekt eine große gesellschaft-liche und kulturelle Verantwortung. Mir sind stimmige Ortsbilder bei größtmöglichem Erhalt der historischen Bauten sehr wichtig und dafür setze ich mich auch ein.
Ihr Oeuvre in diesem Bereich umfasst verschiedenste Bauwerke, wie Museen, Kirchen, Kulturzentren etc., aber auch Ausstellungsgestaltungen. Von welchen Aspekten lassen Sie sich in Ihren jeweiligen Vorgangsweisen leiten?
Mayerhofer: Ich will das am Beispiel der Sanierung und teilweisen Rekonstruktion der Synagoge in Kobersdorf erläutern.
Grundvoraussetzung war, mich mit der jüdischen Geschichte des burgenländisch-westungarischen Raums auseinanderzusetzen und die Architektur der ehemaligen, teilweise noch vorhandenen Synagogen zu analysieren.
Neben diesen Quellen ist auch der im Alten Testament genau beschriebene Salomonische Tempel wichtig. Hier wird die Architektur, die verwendeten Materialien, die Farben u.v.m. bis zur Anzahl der verwendeten Leuchter präzise beschrieben.
Eine Grundlagenanalyse ist also für diese Bauaufgaben von immenser Bedeutung.
Sehr viele dieser Bauvorhaben stehen im Zusammenhang mit umfassenden Sanierungsmaßnahmen. Worauf ist hier zu achten, speziell wenn es sich um denkmalgeschützte Gebäude handelt?
Mayerhofer: Hier ist die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt, den Denkmalforschern und Restauratoren unumgänglich – schon allein, um das Restaurierungsziel zu definieren.
Bei der Umsetzung ist ein großes Maß an Detailwissen über Materialien, Baustoffe, Haustechnik, Bauphysik, Statik etc. notwendig, um die Gebäude den heutigen Anforderungen entsprechend anpassen zu können. Notwendig sind auch Handwerker, die mit den historischen Handwerkstechniken vertraut sind.
Denkmalgeschützte Gebäude können nur weitergenutzt werden, wenn sie auch den heutigen Anforderungen gerecht werden.
Von der Synagoge Kobersdorf über das Goldmarkhaus in Deutschkreutz bis hin zu sakralen Gebäuden in Neckenmarkt u.v.m. – oftmals befinden sich die Bauvorhaben in Ihrem Heimatbezirk Oberpullendorf. Warum liegen Ihnen diese Projekte speziell am Herzen?
Mayerhofer: In dieser Region wurde ich geboren, hier bin ich aufgewachsen und hier ist nach „Wanderjahren“ wieder mein unmittelbares Wohnumfeld, gemeinsam mit meiner Familie.
Als langjähriger Bausachverständiger und Ortsplaner in etlichen Dörfern des Mittelburgenlandes habe ich Land und Leute kennen und schätzen gelernt.
Die Geschichte dieser Gebäude überschneidet sich oft mit meiner Ahnenforschung, da bei der Grundlagenerhebung immer wieder Personen genannt werden, die in meinem Stammbaum vorkommen.
Diese Projekte sind identitätsbestimmend, oft auch Teil meiner Geschichte und deshalb für mich sehr wertvoll.
Abgesehen von Kulturbauten sind Sie u. a. für Ihre Weingut-Architektur bekannt. Das sind ja auch „Kulturgüter“ ...
Mayerhofer: Einen Großteil „meiner“ Weingüter habe ich in die bebauten Strukturen von Streckhöfen eingefügt, um diese anonyme Architektur zu erhalten, weiterzubauen und den heutigen Vorgaben anzupassen.
Es geht darum, die Dorfkerne zu attraktiveren und einen Beitrag gegen die Zersiedelung der Kulturlandschaft zu leisten.
„Vom Keller zum Kult“ nannte sich im Jahr 2006 eine Ausstellung, die, ausgehend vom Museumsquartier in Wien, um die Welt ging. In deren Rahmen wurden etliche meiner seinerzeitigen Projekte gezeigt.
Wenn Sie Ihr geistiges Radar so übers Land schweifen lassen: Welche „Kulturbauten“ würden Sie da noch gerne einer Bearbeitung / Sanierung unterziehen?
Mayerhofer: Hier habe ich keine spezielle Präferenz. Derzeit kommen die lange Zeit geschmähten Bauten der 1970er- und 1980er-Jahre in die "schützenswerte" Zone“. Bei Aufträgen hätte das den Vorteil, dass ich hier Zeitzeuge bin und damit die Recherche vielleicht weniger aufwändig wäre.
Generell meine ich, dass wir mit unseren Ortsbildern und der Kulturlandschaft sehr sorgfältig umgehen müssen. Vielleicht gibt’s auch für historische Bauten mehr Wertschätzung und Kreativität in Zeiten des Mangels.
Herr Architekt DI Mayerhofer, danke für das Gespräch!
Architekt DI Anton Mayerhofer ZT GmbH
• 7311 Neckenmarkt, Bahngasse 1, 0664 1510012
• 1120 Wien, Gaudenzdorfer Gürtel 73/3/6, 01 8171912
Die Fragen stellte altbauneu-Herausgeber Manfred MURCZEK
Fotos: Architekt DI Anton Mayerhofer ZT GmbH
