Theater an der Wien, Wien VI.
Vereinigte Bühnen investieren mehr als 80 Mio. Euro
Vor ziemlich genau 225 Jahren, um 1800, auf Initiative des vielseitigen Theaterdirektors Emanuel Schikaneder, seines Zeichens auch Schauspieler, Komponist und Librettist, sowie nach Plänen von Joseph Reymund d. J. und Anton Jäger erbaut, zählt das Theater an der Wien zu den wichtigsten Spielstätten der Bundeshauptstadt. Klingende Namen werden mit dem Haus an der Linken Wienzeile in Verbindung gebracht, u. a. wirkten hier Beethoven (er wohnte sogar eine Zeit lang in dem Gebäudekomplex), Offenbach, Nestroy, Strauß, Lehàr und noch etliche Berühmtheiten mehr.
Das außergewöhnliche Architekturjuwel für kommende Generationen zukunftstauglich und attraktiv zu gestalten, war Ziel der aktuellen Generalsanierung des dem Naschmarkt gegenüber liegenden Theaters, dessen Gebäudeensemble im 6. Wiener Gemeindebezirk bis in die benachbarten Gassen – über die Millöcker- bis hinauf zur Lehárgasse – reicht.
Altes pflegen, Neues wagen
So könnte das Motto für diese Generalsanierung gelautet haben, denn viele der insgesamt umfangreichen Baumaßnahmen belegen eine doch mutige Vorgangsweise der von den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) mit der Planung beauftragten ARGE, bestehend aus L-Bau-Engineering und Riepl Kaufmann Bammer Architektur.
Außen sticht an der Linken Wienzeile auf den ersten Blick ein neuer „Pausen-Balkon“ ins Auge. Für die
Realisierung des Balkons samt eleganter Glasbrüstung auf Höhe des 1. Obergeschoßes und des
dahinter liegenden, nunmehr deutlich erweiterten Foyers, mussten Räumlichkeiten im Officebereich des Theaters weichen.
Historisches Papagenotor
Folgt man der fein-säuberlich sanierten Fassade weiter in die Millöckergasse, fällt auf Hausnummer 1 das sogenannte „Papagenotor“ auf. Das um 1800 vom Bildhauer Jakob Schroth im Stil des Klassizismus errichtete (heutige) Seitenportal fungierte einst als Haupteingang zum Theater an der Wien. Eine prominent über dem zentralen Portikus platzierte Sandsteingruppe erinnert an Emanuel Schikaneder. Er ist, flankiert von „gefiederten“ Kindern und eine Flöte spielend, im Kostüm des Papageno dargestellt.
Das Papagenotor erfuhr im Zuge der Generalsanierung eine intensive und fachmännische Bearbeitung durch Restaurator Mag. Klaus Wedenig. Mit seinem Team führte er folgende Maßnahmen aus:
• Reinigung im Dampfstrahlverfahren
• Festigung notwendiger Bereiche
• wo erforderlich: Setzen von neuen Armierungen
• Risse ergänzen bzw. schließen
• Oberflächenbehandlung mittels Kalkschlämme, Hydrophobierung, Retusche in „Steinoptik“, Ölvergoldung der Inschrift und des Wappenadlers mit Mixtion und Blattgold
Neu gestalteter Innenraum
Im Gegensatz zum restaurierten Bestand präsentiert sich der Innenraum des Theaters, vom Vorder- bis zum Hinterhaus, von der Statik bis zur Technik, in einem komplett neuen Bild. Den Aufbruch in eine neue Zeit signalisiert u. a. eine scheinbar „schwebende“ Treppe aus schwarzem Stahl, die die Etagen miteinander verbindet und die so bezeichneten Ebenen „Himmel“ bis „Hölle“ erschließt. Der Treppeninstallation voraus ging eine umfassende Entkernung der Foyerzone, die nun – hell, freundlich und großzügig – Besucherinnen und Besucher in Empfang nimmt.
Die optische Wahrnehmung wird nicht zuletzt von den phantasievollen Bodenmosaiken geprägt, die anfangs der 1960er-Jahre von den beiden Künstlern Wolfgang Hutter und Roman Haller geschaffen wurden. Genauso wie Möblagen, die Saalbestuhlung, Lampen und Luster, Spiegeln, Wandtäfelungen und -bespannungen, Malereien, Reliefs und Skulpturen, die markanten, den 3. Rang „tragenden“ Karyatiden, Brüstungen etc., wurden die Mosaike einer Sanierung bzw. Ergänzung unterzogen.
Herzstück Theatersaal
Herzstück des Theaters an der Wien ist der zentrale Saal mit den Zuschauer- (Parkett, Ränge 1 – 3, Logen ...) und Bühnenbereichen (Bühne, Orchestergraben, Schnürboden, Bühnentechnik ...). Auch hier konnten die beauftragten Unternehmen ihr Know-how unter Beweis stellen. So hatte die Graf-Holztechnik GmbH, eine Tochter der Leyrer + Graf Baugesellschaft m.b.H., maßgeblichen Anteil an der Sanierung der Zuschauertribüne: „Neben der Verstärkung der Tragkonstruktion wurden auf einer Fläche von rund 1.000 m² Fußböden und Tribünen mit höchster Präzision erneuert. Dieses Projekt stellte nicht nur unser handwerkliches Geschick, sondern auch unsere herausragende logistische Kompetenz unter Beweis“, betont BM Dipl.-Ing. Stefan Graf.
Erfolgreiche Interventionen trug auch in diesem Teil des Theaters sowie im Vestibül, in den Eingangs-, Foyer- und Kantinenbereichen im Erd- und Untergeschoß, das Team der denkmalpflege G.M.B.H. von Restaurator Mag. Klaus Wedenig bei. Unter vielen anderen sind die restauratorischen Arbeiten am Eisernen Vorhang und an der Schabracke hervorzuheben, weiters die umfangreichen Reinigungs- und Ergänzungsarbeiten der Holz-, Metall- und Stuckoberflächen sowie der Deckenmalereien, die Ergänzungen und Vergoldungen der Karyatiden und diverser Zierelemente sowie Retuschierungen an unterschiedlichsten Teilen, wie z. B. Brüstungen, Wänden und Decken.
Noch vor der Umsetzung all dieser Maßnahmen standen intensive Rekonstruktionen und die Erstellung von Farbkonzepten sowie Musterflächen auf der Wedenig‘schen To do-Liste.
Spezialisten im Fokus
Alle genannten Tätigkeiten erfordern den Einsatz absoluter Spezialisten. Das gilt besonders auch für die technischen Belange, sei es die Haus- und Gebäudetechnik, die Bühnen- und Medientechnik oder der Brandschutz. Auf Brandschutz- und Schallschutztüren hat sich die Unterwaditzer GmbH mit Sitz in Berg im Drautal spezialisiert. „Wir sind stolz darauf, mit unseren Brandschutz- und Schallschutztüren einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit und Funktionalität dieses einzigartigen Kulturdenkmals geleistet zu haben“, erklärt dazu Alois Unterwaditzer, der gemeinsam mit seinem Bruder Peter das Unternehmen mit Sitz in Berg im Drautal leitet. Durch den Einbau hochwertiger Flucht- und Brandschutztüren konnten entscheidende Brandabschnitte und Fluchtwege geschaffen werden, die die Sicherheit im gesamten Gebäude auf den neuesten Stand bringen.
Fotos: VBW / Peter M. Mayr. Amdreas J. Hirsch, Barbara Nidetzky; Riepl Kaufmann Bammer Architektur;
denkmalpflege G.M.B.H. / Mag. Klaus Wedenig; Graf-Holztechnik GmbH / Matthias Ledwinka; Unterwaditzer GmbH / Kay Jansen
Projektpartner Theater an der Wien, Wien VI.
Bauherr: Vereinigte Bühnen Wien (VBW)
Planung / Architektur: ARGE L-Bau-Engineering und Riepl Kaufmann Bammer Architektur
Restaurator: denkmalpflege G.M.B.H. / Mag. Klaus Wedenig / Restoration Company
