Die BOKU und ihre Häuser

Aktuelle Sanierungen, Um-, Zu- und Neubauten

 

Der Standort Türkenschanze der BOKU – einer von vier; die weiteren befinden sich in der Wiener Muthgasse sowie in Tulln, der vierte umfasst sämtliche anderen externen Einrichtungen der BOKU – wird durch eine heterogene Struktur
unterschiedlicher Gebäude aus mehreren Epochen bestimmt. Dazu zählen der eben fertiggestellte Neubau des Türkenwirts, das gründerzeitliche Wilhelm Exner-Haus, das in den 1970er-Jahren errichtete Franz Schwackhöfer-Haus und natürlich das Gregor Mendel-Haus samt Justus Liebig-Trakt, das als ältestes Gebäude der BOKU ein wichtiges Identifikationssymbol für die gesamte Universität ist.

Mendel-Haus & Liebig-Trakt

Vom Eigentümer und Bauherrn, der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), um rund 35 Millionen Euro mustergültig generalsaniert, präsentiert sich seit rund zwei Jahren das aus den Jahren 1896/97 stammende, denkmalgeschützte Mendel-Haus samt dem seit 1978 hofseitig verbundenen Liebig-Trakt. Im Zuge der Revitalisierung wurden 655 Fenster ausgetauscht, 25 weitere nach Vorgaben des Denkmalschutzes originalgetreu restauriert. Eine Ertüchtigung erfuhren die gesamte Haustechnik sowie das umfangreiche Leitungsnetz. Das Gebäude wurde auch brandschutztechnisch auf den letzten Stand gebracht. Frisch begrünt präsentieren sich die beiden dem Hof zugewandten Fassadenseiten, was sich auf das Kleinklima im gesamten Innenhof positiv auswirkt.


Im Rahmen des Bauvorhabens wurden auch das  2. und 3. Obergeschoß des Liebig-Trakts generalsaniert. Dabei kam es zur Versetzung bzw. Erneuerung fast aller nichttragenden Wände sowie der Fußböden. Ein Dachaufbau in Leichtbauweise bietet nun neue Nutzflächen. Die Verbindungstrakte zwischen dem Liebig- und dem Mendel-Haus wurden ebenfalls aufgestockt.


Ergänzt wurde das Gebäudeensemble im Innenhofbereich um eine nach Plänen von Architekt DI Helmut Neumayer errichtete Kantine samt Terrasse und um ein Fluchtstiegenhaus inklusive Evakuierungsaufzug.

Historische  Entdeckungen

Wie oft bei derartigen Revitalisierungen kam auch im Fall des Mendel-Hauses Unerwartetes zum Vorschein, das sowohl Relevanz in Bezug auf die Kosten als auch auf den Zeitplan des Bauvorhabens hatte.


Einerseits handelt es sich dabei um Entdeckungen historischer Kleinode, wie beispielsweise originale Malereien und Ornamente an der Außenfassade, die unter früher aufgebrachten Farbschichten verborgen waren und nun restauriert bzw. originalgetreu wiederhergestellt wurden. Im Bereich der hofseitigen Fassade des Liebig-Trakts befand sich einst eine Uhr, deren Uhrwerk im Zuge der Sanierungsarbeiten gefunden wurde. An dieser Stelle zeigt den Studierenden nun ein originalgetreuer Nachbau dieser Uhr samt restauriertem Uhrwerk an, wieviel es geschlagen hat.

 

Andererseits zählen zu den „Kostentreibern und Zeiträubern“ auch weit banalere Dinge, wie Heizungsrohre unterschiedlicher Dimensionen, die zu vereinheitlichen und damit zu erneuern waren, deto EDV- und

IT-Verkabelungen und – als Konsequenz daraus – die Erneuerung von zusätzlichen rund 800 m2 an Wänden.

Neubau Türkenwirt

Nachdem sich die Bausubstanz des alten „TÜWI“ wirtschaftlich als nicht sanierungsfähig erwies, wurde der Bestand im Sommer 2016 abgebrochen. Die Pläne für den Neubau des Türkenwirts stammen aus dem Hause Baumschlager
Hutter ZT GmbH.


Der Architektenentwurf ist von einer feingliedrigen Modellierung sowie von einer mehrschichtigen Fassade geprägt. Wie die Architekten betonen, war es hier möglich, ein Projekt zu realisieren, ohne das maximal erlaubte
Bauvolumen auf dem fast 3.000 m2 großen Grundstück auszuschöpfen.


Mit Beginn des Wintersemesters 2018/19 ziehen drei Institute, ein Hörsaal für 400 Studierende, eine Mineraliensammlung, Lehr- und Lernbereiche, die neue Mensa und ein Gastronomielokal mit Gastgarten samt Hofladen in den auf 1.207 m2 Fläche errichteten Neubau ein. Die Holzkonstruktion auf Stahlbetonstützen weist drei ober-irdische  Stockwerke und zwei Untergeschoße auf.


Das Gebäude ist barrierefrei und als Niedrigenergiehaus mit umfassenden Maßnahmen bezüglich Energieeffizienz ausgestattet. So wird beispielsweise über eine Wärmepumpe, deren 14 Sonden jeweils 125 Meter in die Tiefe reichen, Erdwärme zur Heizung und Kühlung genutzt. Anlagen für Photovoltaik und Solarthermie sind im Flachdachbereich installiert.


Für nachhaltig gutes Raumklima sorgen auch die Holzfassade sowie die Fassadenbegrünung im Innenhof und hängende Gärten im Gebäudeinneren.

Simony, Cieslar und Co.

Abgesehen von den bereits besprochenen Gebäuden Mendel-Haus mit Liebig-Trakt und Türkenwirt nutzt die BOKU am Standort Türkenschanze im 18. Wiener Bezirk noch weitere Häuser und Villen, die in der jüngeren Vergangenheit zum Teil mehr oder weniger umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten erfahren haben. Beispielsweise sind das:

• Wilhelm Exner-Haus Vor 110 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt erbaut, steht das Wilhelm Exner-Haus nach turbulenten Jahrzehnten seit 1960 der BOKU zur Verfügung. Zwischen 1990 und 1995 wurde es nach Plänen des Architekten Wolf Jürgen Reith in großem Stil um- und ausgebaut, wodurch rund 6.600 m2 an zusätzlicher Nutzfläche gewonnen werden konnten. Das Exner-Haus beherbergt unter anderem fünf Hörsäle sowie die BOKU-
Bibliothek.
Benannt ist das Gebäude nach Wilhelm Exner (1840 – 1931), der dreimal zum Rektor der Hochschule für Bodenkultur gewählt wurde. In die Zeit seines Rektorats fällt u.a. die Errichtung des Mendel- und des Liebig-Hauses.

 

• Oskar Simony-Haus Zwei Jahre vor der Jahrtausendwende zum „Haus der Landschaft“ ernannt, blickt das Oskar Simony-Haus auf eine Geschichte zurück, in der es hauptsächlich als Studentenheim und Mensa diente. Das Gebäude, das 1904 eröffnet wurde, beherbergte ursprünglich 58 Studierenden in 40 Zimmern. Die Mensa war für rund 250 Personen ausgelegt. 
Oskar Simony (1852 – 1915) lehrte an der Hochschule für Bodenkultur Physik und Mechanik. Der „Menschenfreund und Wohltäter“ erwarb sich als Ausschussmitglied des „Vereins zur Schaffung und Erhaltung eines Studentenheims mit einer Mensa academia“ große Verdienste.

 

• Franz Schwackhöfer-Haus Jüngeren Datums – Baubeginn 1970, Übergabe 1972, Bezug 1975 – ist das Franz Schwackhöfer-Haus, das direkt an das Exner-Haus angrenzt. Obwohl 1976 mit dem „Großen Europäischen Stahlbaupreis“ ausgezeichnet, ging das Konzept des Planers nicht wirklich auf. Das Schwackhöfer-Haus musste bereits von 2002 – 2004 quasi erneuert werden, wobei das ursprüngliche Stahlskelett genauso erhalten blieb wie die großen Geschoßhöhen und die flexible Raumnutzung.
Franz Schwackhöfer (1843 – 1903) wirkte als a. o. und o. Professsor für landwirtschaftlich-chemische und forstwirtschaftlich-chemische Technologie. Er war u. a. dreimal Rektor der BOKU.

 

• Adolf Guttenberg-Haus Nachdem die Errichtung eines Agrarmuseums an der Finanzierung scheiterte, stimmte der „Verein zur Gründung eines österreichischen Museums für Landwirtschaft in Wien“ dem Vorhaben zu, auf dem Grundstück einen „Ergänzungs- und Musealbau“ zur Hochschule für Bodenkultur zu bauen. Das Vorhaben wurde 1911/12 nach Plänen der Gebrüder Grünwald realisiert. 2002 konnte das Dachgeschoß aus- und ein Lift eingebaut werden.
Adolf Ritter von Guttenberg (1839 – 1917), ordentlicher Professor für Holzmesskunde und Waldwertrechnung, forstliche Statistik und Forstverwaltungslehre wurde u. a. dreimal zum Rektor der BOKU gewählt.

 

• Adolf Cieslar-Haus Ursprünglich als Frauenhospiz erbaut (ein schönes Mutter-Kind-Relief über dem Eingang erinnert noch heute daran), zählte das Cieslar-Haus nach einer ersten Renovierung in den 1960er-Jahren zu einer der modernsten Gebärkliniken Wiens. Nach wenig ereignisreichen Jahren nutzte die BOKU das Haus ab dem Jahr 1984 für ihre Zwecke. Eine weitere Sanierung später, dient es seit 2004 als „Haus der Verwaltung“.
Adolf Cieslar (1858 – 1934) studierte an der Uni Wien Botanik, ehe er im Sommer 1879 an der Hochschule für Bodenkultur inskribierte und 1883 promovierte. Im Studienjahr 1910/11 fungierte er als Rektor der BOKU.

 

Fotos und Visualisierung: BOKU / Martin Gerzabek / Benedikt Windorfer; BIG / © Daniel Ulbricht; Thomas Ledl; © Valentin GS; © Baumschlager Hutter ZT GmbH

Projektpartner BOKU

 

Bauherr: Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)

Architektur Türkenwirt: Baumschlager Hutter ZT GmbH

Nutzer: Universität für Bodenkultur (BOKU)

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