Kalvarienberg Eisenstadt
Sanierung in Etappen bis 2020

 

In den Jahren 1701 – 1711 unter Bauführung des Franziskanerbruders, Baumeisters und Tischlers Felix Nierinck (1658 – 1729) auf einem künstlichen Hügel errichtet, zählt die Haydnkirche Eisenstadt mit dem markanten Kalvarienberg zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Burgenlands.
Der Kalvarienberg ist über Grotten und Gängen aus Steinblöcken aufgeschichtet und wird von Treppen und Wegen mit Steinfiguren auf Postamenten gesäumt. Auf der Spitze des Kalvarienbergs befindet sich die Kreuzkapelle mit ihrem geschweiften Kuppeldach über toskanischen Pilastern.
In der Mitte des ovalen Innenraums wird der Kreuzestod Jesu dargestellt, daneben Maria Magdalena und Johannes der Evangelist. Im Osten erschließt sich über eine Freitreppe die 1707 geweihte Gnaden- oder Ölbergkapelle.

Leidensgeschichte Christi

Der Kalvarienberg beschreibt in 33 „Geheimnissen“ die Leidensgeschichte Christi – insgesamt sind in 10 Kapellen und auf 18 Altären 260 Holz- und 60 Steinfiguren zu sehen. Schon während der Errichtung sind erste Beschädigungen durch die Kuruzzenkriege überliefert. 1744 fanden Veränderungen im Kapellenbereich statt. Durch das Verbot von mehrtägigen Wallfahrten durch Kaiser Joseph II verfiel die Anlage bereits im 18. Jahrhundert. Erst nach der Gründung der Pfarre Oberberg anno 1794 wurde der Kalvarienberg wieder gepflegt, 1911 wurde er renoviert, Restaurierungen fanden 1959/60, 1974 und 1988/89 statt.
Der Bauausschuss der Stadtpfarre Eisenstadt-Oberberg hat in Zusammenarbeit mit einem örtlichen Projektplaner den Masterplan „Kalvarienberg 2020“ für die Planung und Durchführung umfangreicher Sanierungen erarbeitet.
Die im Rahmen dieses langfristigen Konzepts für die Jahre 2015/16 und 2016/17 geplanten Restaurierungsetappen, mit denen Mag. Klaus Wedenigs denkmalpflege G.M.B.H.  beauftragt wurde, umfassten u. a. 35 Engeln und Figuren aus Kalksandstein, die Wiederherstellung der dazugehörigen Podeste, die Renovierung der Kreuzkapelle sowie die Instandsetzung der Wasserabflüsse.

Umfangreiche Schäden

Konservatorisches Hauptproblem der Engels- und Nischenfiguren waren Schäden durch Verwitterung. Die Skulpturen bestehen aus weichem und wenig witterungsbeständigem Kalksandstein aus Steinbrüchen in St. Margarethen und  Loretto sowie aus diversen anderen Leithakalksandsteinen.
Vor allem bei den Engelsfiguren, die durch ihre exponierte Lage auf der Treppen- und Mauerbrüstung ungeschützt der Witterung ausgesetzt waren, zeigten sich eine ganze Palette an Schäden: Die Steinoberflächen sandeten – bedingt durch den Bindemittelverlust – großflächig ab; es zeigten sich Bereiche mit Schalenbildung und Abplatzungen sowie Stellen, an denen die Oberfläche bis in den cm-Bereich rückgewittert war. Detailformen waren durch den tiefgreifenden Substanzverlust teils bereits verloren. An den durch die Verwitterung zerklüfteten Oberflächen hatte sich an feuchten Stellen verstärkt Pflanzenbewuchs (Flechten, Algen und Moose) festsetzen können. Biogener Bewuchs zeigte sich auch unter sämtlichen Fehlstellenkittungen, in Rissen, sowie in offen stehenden Fugen. Das Ausmaß dieser Besiedelungen reichte von punktuellen Flechten oder Algen bis hin zu großflächigen Flechtenkrusten.
Maßnahmen früherer Restaurierungen und Überarbeitungen, die damals dem Stand der Technik entsprachen, sind aus heutiger Sicht und mit dem heutigen Erkenntnisstand als wenig zielführend einzustufen, da sie nur kurzfristig eine Verbesserung darstellten und relativ rasch zu Folgeschäden führten:
Ergänzungen und Kittungen wurden zum Teil mit zu harten (zementgebundenen) oder zu dichten Ergänzungsmassen (mit Acrylharz als Bindemittel) ausgeführt. Durch die dichte Sperrschicht des falschen Ergänzungsmaterials und die in der Folge auftretende, verstärkte Feuchte- und Salzbelastung wurde die Steinsubstanz in den Bereichen hinter und neben den Kittungen sukzessive zermürbt. Darüber hinaus waren vor allem großflächige Kittungen, wie z. B. bei den Bein- und Sockelpartien mancher Engelsfiguren bereits wieder extrem geschädigt: Das Ergänzungsmaterial war gerissen und locker, es zeigten sich zahlreiche Abplatzungen und Fehlstellen. Schutzanstriche oder Schlämmen waren im Bereich der Engelsfiguren bereits großflächig abgewittert. Bei den Nischenstatuen war der Kalkanstrich (mit Dispersionsanteil) der letzten, Ende der 1980er-Jahre durchgeführten Restaurierung noch großteils erhalten, das Ausmaß der Oberflächenschäden somit geringer.
Eisen-Armierungen und Verzapfungen innerhalb der Steinskulpturen sowie die Eisendorne zur Befestigung der Figuren in den Postamenten waren nicht mit Rostschutz versehen und daher stark korrodiert, was zu Schäden am anstehenden Steinmaterial geführt hatte; das Spektrum reichte von Verfärbungen über kleinere Risse bis hin zur kompletten Absprengung des Steinmaterials durch den aufgequollenen Rost.
Eine weitere Zermürbung des Steinmaterials war an Stellen feststellbar, die von dicken Schmutz- und Sinterschichten überzogen waren. Der durch die Luftverschmutzung gebildete Gipssinter hatte sich vor allem an den regenabgewandten Bereichen abgesetzt und bildete eine harte Sperrschicht.Die daraus resultierenden Spannungen hatten zu einer weiteren Schwächung des mürben Sandsteinmaterials geführt.
Die Steinteile in der Greifzone der Statuen und an den Postamenten waren ebenfalls stärker geschädigt: Zu den bereits erwähnten Verwitterungserscheinungen sowie der Schädigung durch Gipssinter kamen Schäden durch mechanische Beanspruchung: Abbrüche und Fehlstellen, Kantenbestoßungen und Risse.

Restaurieren & konservieren

Die Figuren wurden abgebaut, mit Hilfe eines Teleskopkrans abgehoben und für die weitere Bearbeitung ins Atelier von Mag. Klaus Wedenigs denkmalpflege G.M.B.H. nach Königshof gebracht.
Zunächst wurden unsachgemäß durchgeführte Reparaturen und Zementplomben aus früheren Restaurierungen manuell entfernt, schadhafte Fugen wurden geöffnet und gesäubert. Silikonreste und Kitte an den Steinteilen, Taubenkot, Flugstaub und -erde wurden zum Teil manuell entfernt, zum Teil abgesaugt.
Bereits lockere Steinpartien wurden abgenommen und fixiert. Die Sicherung erfolgte durch Hinterfüllen und Verkleben mit dem Untergrund, Klebe- und Injektionsharze wurden in Abstimmung mit den weiteren Maßnahmen ausgesucht: Abgehobene Schalen wurden punktuell, massive, gebrochene Teile kraftschlüssig mit Epoxidharz (Ake-
pox 5000, dünnflüssig, und Akepox 5010, gelartig) verklebt und, wo erforderlich, zusätzlich mit Nirostastäben und gedrehtem Nirostastahl („Brutt Saver Spiralankersystem“, Fa. Rubersteinwerk) vernadelt.
Stark sandende und rückgewitterte Kalksandsteinteile wurden mit Kieselsäure-Ethylester Funcosil 100 unverdünnt vorgefestigt. Der Auftrag erfolgte durch Fluten unter Zuhilfenahme von Airless-Geräten, 2 – 3 Mal, nass-in-nass. Um oberflächliche Krustenbildungen und Verglasung zu verhindern, wurden die behandelten Oberflächen mit reinem Ethanol abgemagert. Nach Abschluss der Vorfestigung wurde eine Reaktionszeit von mindestens zwei Wochen eingehalten.
Alle Steinskulpturen wurden einer Oberflächenreinigung mit reinem Wasser ohne weitere Zusätze unterzogen. Das Wasser wurde mit Hilfe von Heißwasserstrahlgeräten mit jeweils auf den Untergrund abgestimmtem Druck aufgebracht. Filigran gearbeitete Details und schwer erreichbare Stellen wurden manuell nachgereinigt. Hartnäckige Sinterkrusten wurden mit Mikrosandstrahl entfernt. Das Strahlgut wurde dabei auf das Steinmaterial abgestimmt, um Schäden an den originalen Oberflächen zu vermeiden (Kalzitpudermehl oder Aluminiumsilikat, „Sintox“, Fa. Eder, Korngröße 0,09 - 0,25 mm).
Um weiteren Schäden durch Mikroorganismen vorzubeugen, wurden alle betroffenen Steinoberflächen einer dreimaligen bioziden Behandlung mit Mergal K2, 1:15 verdünnt in Wasser, unterzogen. Nach eintägiger Einwirkzeit wurde mit klarem Wasser neutralisiert. Bewuchsreste wurden mit Nylon- oder Naturfaserbürsten entfernt.
Um weiteren Schäden durch bauschädliche Salze vorzubeugen, wurden im Bereich der geschädigten Steinteile – z. B. im Bereich zweier Kreuze – zur Entsalzung ARBOCELL 200/1000 Zellstoffkompressen aufgebracht. Nach zwei- bis viermaligem Auftrag war die Salzbelastung auf ein zufriedenstellendes Ausmaß reduziert.
An einigen besonders stark geschädigten Stellen war eine partielle Nachfestigung notwendig: Die Steinoberflächen wurden wieder mit KSE Funcosil 100 und 300 geflutet. Nach der Behandlung wurden Glanzstellen mit Ethanol abgemagert.
Tiefgreifende Risse und Haarrisse wurden mittels druckloser Injektagen mit Kunstharzen verklebt. Je nach Rissbreite wurde als Injektionsgut Zweikomponenten-Epoxidharz Akepox 2010 und Akepox 5000 (oder 5010 bei größeren Rissen) bzw. Paraloid B 72, 5% bei Haarrissen eingesetzt.
Die bestehenden, stark korrodierten Armierungen aus Eisen innerhalb der Skulpturen wurden entfernt und zwecks statischer Sicherung durch neue aus gedrehtem Nirostastahl („Brutt Saver Spiralankersystem“) ersetzt. Die zur Verankerung in den Postamenten an der Unterseite der Figuren angebrachten Eisendorne wurden entfernt und durch Gewindestangen aus Nirostastahl ersetzt.
Der für Ergänzungen, Kittungen und Inkrustationen verwendete Kunststeinmörtel wurde hinsichtlich seines optischen Erscheinungsbildes (Farbe, Korngröße, Struktur) sowie in seinem physikalischen Verhalten in ausgehärtetem Zustand (Dichte, Druck- und Biegefestigkeit) dem Material der Figuren angeglichen.
Notwendige Inkrustationen von Fehlstellen wurden mindestens zweilagig ausgeführt: Als untere Schicht wurde ein grobkörniger Kunststeinmörtel aus 4 Raumteilen (RT)  Wiener Neustädter Grubensand (0 – 3 mm), Ernstbrunner und St. Margarethener Putzsand (gelb, 0 – 3 mm) sowie grauem Schleifsand (0 – 1 mm) und 1 RT Bindemittel (Baumit Weißzement, EN 197-1 – CEM I/52,5 N) aufgebracht. Der
Feinmörtel bestand aus denselben Inhaltsstoffen (Mischungsverhältnis 1:4), lediglich in einer anderen Körnung (0 – 0,5 mm).
Offene Fugen wurden mit einer Mischung aus hydraulischem Kalk (Otterbein NHL 2), Weißzement und Zuschlag (farbig angepasst an den Bestand) im Mischverhältnis 0,5 : 0,5 : 5 geschlossen.
Die ergänzten Oberflächen wurden randgleich an die jeweiligen Umgebungsstrukturen angeglichen. Zur Erzielung einer dem Originalbestand entsprechenden Oberflächenstruktur wurden die Ergänzungen mit Spachteln und anderem Modellierwerkzeug geglättet oder nach dem Abbinden abgezogen.
Größere Kittungen und Ergänzungen von abgebrochenen Ecken und Kanten oder exponierten Teilen an den Figuren wurden mit Nirostastäben bewehrt. Als Haftbrücke zwischen Armierung und Mörtel und zur Verklebung der Stäbe mit dem Stein wurde Epoxidharz Akepox 5000 verwendet.
Selten, aber doch mussten bei der einen oder anderen Figur Ergänzungen als Natursteinvierung ausgeführt werden. Beispielsweise musste die rechte Hand der Nischenfigur Nr. 3 geviert werden. Für diese Vierung wurde der in Qualität und Aussehen mit dem Originalmaterial vergleichbare, aus Italien stammenden Kalksandstein Pietra dura di Vicenca verwendet. Die Natursteinvierung wurde mit mineralischem Kleber („PCI Carament“) verklebt und mit in Epoxidharz verklebten Nirostastäben am Bestand verankert.
Die Fuge zwischen Vierung und Bestand wurde mit Kalkzementmörtel geschlossen.
Nach ausreichendem Austrocknen der Untergründe wurde auf sämtliche Steinoberflächen eine mehrlagige, unpigmentierte Schlämme (1 RT Unger Sumpfkalk 3 Monate, 1 RT Kalksteinmehl) aufgebracht. Zur Erhöhung der Resistenz der Schlämme gegen Witterungseinflüsse (Schlagregen) wurde dem Anmachwasser 2% Primal E 330 EF zugesetzt. Die einzelnen Schichten wurden nass-in-nass auf die vorgefeuchtete Steinoberfläche aufgebracht. Die erste Schicht wurde bis zum Porenverschluss in den Stein einmassiert, die übrigen dünn lasierend aufgetragen. Überschüssige Schlämme wurde zur Gewährleistung der Lesbarkeit der Formen mit trockenen Pinseln und weichen Bürsten entfernt.
Nach dem Rücktransport wurden die fertig restaurierten Engelsfiguren vor Ort auf die zuvor sanierten Postamente der Treppen- und Mauerbrüstung versetzt: Dazu wurden die Skulpturen jeweils auf eine in Form der Standfläche der
Figur zugeschnittene Bleifolie gestellt und mit jeweils einer mit mineralischem Klebemörtel („PCI Carament“) eingeklebten Gewindestange – Länge 50 cm, Durchmesser 12 mm – in den Steinpostamenten verankert. Die Fugen zwischen Figur und Postament wurden mit Bleiwolle geschlossen.
Die Nischenstatuen wurden ebenfalls auf Bleifolien gestellt und mittels Gewindestangen nach hinten in den Rückwänden der sanierten und neu verputzten Nischen verankert. Die beiden Kreuze wurden in den Ausnehmungen des neuen Nischenputzes in ein Mörtelbett aus flexiblem Mörtel („Multistone“-Natursteinkleber, Fa. Botament Systembaustoffe) versetzt und mit 1 Meter langen, 14 mm starkten Gewindestangen aus Nirostastahl gesichert, die mit Zweikomponenten Klebeharz (Reca-VM-MULTI-2K, Fa. Kellner & Kunz) im Bestand verklebt wurden. Fugen und Montageöffnungen wurden mit Kalkzementmörtel geschlossen.
Zum weiteren Schutz der Oberfläche, vor allem gegen Schlagregen, wurden sämtliche Steinteile einer Hydrophobierung mit KSE-Silikonharz-Siloxan-Gemisch („Funcosil SNL geruchsarm“, Fa. Remmers), zweimal nass-in-nass, unterzogen.

Quelle Text und Fotos: Mag. Klaus Wedenig, denkmalpflege G.M.B.H.

Projektpartner Kalvarienberg Eisenstadt

 

Bauherr: Stadtpfarre Eisenstadt Oberberg

Denkmalschutz: BDA, Abtg. für Burgenland, Ltg. Mag. Peter Adam

Restaurator: Mag. Klaus Wedenig, denkmalpflege G.M.B.H.

DIE SCHREIBMEISTER OG • A-2491 Neufeld an der Leitha • Lisztgasse 2       www.schreibmeister.info


IHRE ANSPRECHPARTNER:

 

Irene Murczek                        Manfred Murczek                    

i.murczek@speed.at             murczek@speed.at                 

+43 676 956 59 72                   +43 676 610 62 97