Kunsthistorisches Museum, Wien I.

Schrittweise Sanierung eines Wiener City-Hotspots

 

Zwanzig Jahre lagen zwischen dem Baubeginn 1871 und der feierlichen Eröffnung des Kunsthistorischen Museums
zu Wien. 1891 weihte Kaiser Franz Joseph I. das Gebäude ein, das er nach Plänen von Gottfried Semper und Carl
von Hasenauer als Teil des ursprünglich vorgesehenen und unvollendet gebliebenen Kaiserforums auch beauftragte. 

Der bauzeitliche Zustand des Bauwerks wird vom Experten für historische Gebäude und Restaurator Mag. Klaus Wedenig wie folgt beurteilt: „Für Wien war die dekorative Fülle, die sich vor allem an den Schauseiten und hier wiederum besonders an den Risaliten konzentriert, ein Novum. Das ikonografische Programm an der Fassade wie

auch im Inneren steht in enger inhaltlicher Beziehung zu den ausgestellten Objekten und somit zur Funktion des Baus im allgemeinen; im Fall des Kunsthistorischen Museums sollen die verschiedenen Gattungen sowie die wichtigsten Epochen der Kunst versinnbildlicht werden. Das Programm ist chronologisch aufgebaut, beginnend mit der dem Altertum anmutenden Fassade auf der Babenbergerstraße bis hin zur Ringstraßenfassade, die mit der Neuzeit endet.“

Im Auftrag der Burghauptmannschaft Österreich (BHÖ) verantworten Architekt DI Bernhard Neumayer und sein Team die aktuelle Sanierungsphase. Neumayer: „Die Natursteinfassaden zählen zu den bedeutendsten handwerklichen und baukünstlerischen Fassaden der gesamten Wiener Ringstrasse. Die hauptsächlich aus Kalkstein besehenden Fassaden waren witterungs- und immissionsbedingt stark geschädigt und mußten nachhaltig restauriert werden.“

Die umfangreichen Sanierungsarbeiten werden seit Jahrzehnten Schritt für Schritt realisiert. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Bauabschnitten 2 – 4, die die Fassadenseite zum Museumsplatz hin umfassten. Als ausführendes Unternehmen war das Team der denkmalpflege G.M.B.H. von Mag. Klaus Wedenig mit den Arbeiten betraut. Ausführungszeitraum: März bis Dezember 2024.

 

Schadensanalyse

 

Wedenig zu altbauneu: „Die Fassadenseite zum Museumsplatz  wurde zuletzt 2003 restauriert, befand sich substantiell jedoch mittlerweile wieder in besorgniserregendem Zustand. Vor allem die Bestandteile der Attika (Figuren und Balustrade) und die der oberen Geschoße (Mezzaningeschoß und Beletage) waren stark geschädigt. Der entlang der Fassade führende Fußweg war bereits seit einiger Zeit gesperrt, da Putz- und Steinteile von der Fassade herabgestürzt waren.“

Grund für den extrem schlechten Zustand war laut Wedenig unter anderem die Tatsache, dass die Fassadenflächen im Zuge der letzten Intervention nicht ausreichend hydrophobiert worden waren ...

Die detaillierte Aufzählung der Schäden würde den Rahmen des Artikels sprengen, weshalb in der Folge kurz auf die wichtigsten Restaurierungsmaßnahmen eingegangen wird, die seitens des Teams Wedenig umgesetzt wurden. 

Als vorbereitende Maßnahmen erfolgten die Entfernung unsachgemäß durchgeführter Reparaturen aus früheren Restaurierungen und die Öffnung von gerissenen Fugen. Verschmutzungen wurden manuell entfernt oder abgesaugt. Lockere Steinteile wurden abgenommen oder fixiert. Vor- / Hauptfestigungs- und Reinigungsarbeiten sowie Biozidbehandlungen ergänzten diesen Teil des Maßnahmenkatalogs.

Größere Interventionen waren dort notwendig, wo absturzgefährdete Natursteinteile  zu vernadeln, zu hinterfüllen, zu ergänzen oder sogar zu ersetzen waren. Letzteres passierte in Form von Neugüssen aus Kunststein und Natursteinvierungen.  Je nach Gewicht wurden diese mit Glasfaserstäben oder Gewindestangen aus Nirostastahl fixiert. Diese Ergänzungen wurden stets in Absprache mit BHÖ und BDA durchgeführt.

Waren die so behandelten Oberflächen ausreichend getrocknet, erfolgte der Auftrag einer mehrlagigen, pigmentierten Schlämme. Die einzelnen Schichten wurden nass-in-nass auf die vorgefeuchteten Architekturflächen aus Sandstein aufgebracht, im Fall der ersten Schicht einmassiert, die weiteren Schichten bis zur gewünschten Mindeststärke von 400 µm dünn lasierend aufgetragen.

 

Finale Hydrophobierung

 

Zum weiteren Schutz der Oberfläche, vor allem gegen Schlagregen, wurden alle geschlämmten Kalksandsteinflächen nach Ablauf einer vierwöchigen Karbonatisierungszeit einer Hydrophobierung mit KSE-Silikonharz-Siloxan-Gemisch unterzogen. Die verschiedenen Kalksteine und Buntkalke wurden mit einer Lösung aus Acrylharz-Silikonharz-Gemisch imprägniert.

 

 

Quelle: denkmalpflege G.M.B.H., Mag. Klaus Wedenig

 

Fotos: Burghauptmannschaft Österreich / Kunsthistorisches Museum; 

Architekt Neumayer ZT GmbH; denkmalpflege G.M.B.H. / Mag. Klaus Wedenig  

Projektpartner Kunsthistorisches Museum, Wien I.

 

Bauherr: BHÖ Burghauptmannschaft Österreich

Planung + ÖBA: Architekt Neumayer ZT GmbH

Restaurierung: denkmalpflege G.M.B.H. Mag. Klaus Wedenig

Bauspengler: Hans Kahler e.U.

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